Der Samowar und die russische Teekultur

Traditionelles russisches Holzgeschirr

Wie kamen die Russen zu ihrer Teekultur und weshalb wurde der Samowar erfunden?

Der erste Teetrinker Russlands war der Zar Michail Fjodorowitsch Romanow (12. Juli 1596 – 13. Juli 1645), der als erster Zar und Großfürst aus der Dynastie der Romanows von 1613 – 1645 regierte.

Dieser Zar schätzte den mongolischen Khan Altyn sehr und ließ ihm im Jahr 1638 wert­volle Zobelfelle bringen. Der Khan gab den Boten ein Gegengeschenk mit und zwar… getrocknete Blätter und davon gleich 4 Pud, das sind immerhin 65 Kilo!
Alle Leute am Hof des Zaren waren ratlos und dachten: „Was soll der Zar mit getrockneten Blättern anfangen? So etwas kann doch nur ein unzivilisierter Barbar verschenken!“ Glücklicherweise erfuhr der Khan da­von und schickte einen Koch nach Moskau. Der wuss­te, was es mit den getrockneten Blät­tern auf sich hatte, die nichts anderes waren als feinster chinesischer Tee. Der Koch be­reitete dem Zaren Michail Fjodorowitsch die erste Schale Tee zu, die jemals in Russland getrunken wurde. Der Zar trank und sprach dann die Worte, die in die russische Teege­schichte eingingen: „Das Getränk war sehr bekömmlich und wenn man sich daran gewöhnt hat, ist es sehr schmackhaft.”

Der Tee – ein Getränk für den Zaren und für Bojaren

Und der Zar gewöhnte sich tatsächlich daran. Ja, der Tee schmeckte ihm sogar ausgespro­chen gut. Naja, und was dem Zaren schmeckt, das wollten auch die russischen Adligen, die Bojaren gern probieren. Und auch sie gewöhnten sich ans Tee trinken. Aber es dauer­te noch fast 100 Jahre, nämlich bis in die 70er Jahre des 18. Jhds., bis sich das Teetrin­ken in Russland einbür­gerte und eine eigene russische Teekultur entstand.

Aber nur Adlige konnten es sich leisten, Tee zu trinken. Das lag sicherlich auch daran, dass Tee sehr teuer war, weil er über das Uralgebirge aus China mit Karawanen heran geschafft werden musste. Den Namen für diesen Tee, nämlich Karawanentee, kennen Teetrinker*innen noch heute.

Die Teestraße verlief von Peking aus durch die Wüste Gobi und Sibirien bis an den Baikal­see und die Wolga. Sie war 11.000 km lang und die Reise dauerte fast 1,5 Jahre. Trotz­dem war der Teehandel ein lukratives Geschäft. Der Umschlag­platz für den Teeimport war Moskau.

Aber weshalb wurde der Samowar, der russische Selbstkocher erfunden?

Die Teehändler wollten auf ihrem weiten Weg ihren Tee möglichst heiß und frisch trin­ken, auch bei strengem Frost. Das Gerät dafür musste erst noch erfunden werden. In dem Ort Suksun, das an der Teestraße im fernen Uralgebirge liegt, erfanden die Arbeiter der Manu­faktur Demidow im Jahr 1730 den Samowar.

Was ist ein Samowar?

Der Samowar, auf deutsch Selbstkocher, ist ein wunderbares Gerät: Er besteht aus einem großen Behälter mit ei­nem Auslaufhahn, in dem das Wasser schön heiß bleibt und einer Teekanne für den Tee­sud. Jeder kann sich seinen Tee so zubereiten, wie er ihn gerne mag, also als helle oder dunkle Tasse. In der hellen Tasse ist weniger Teesud enthalten als in der dunklen.

Damals wurden die Samoware mit Holzkohle beheizt, inzwischen gibt es natürlich auch Elektro-Samoware.

„Wer reist schon mit einem Samowar nach Tula!“

Die bekanntesten Samoware kommen bis heute aus Tula, wo die geschicktesten Schmie­de Russlands lebten. Ein Schmied soll dort sogar einmal einem Spielzeugfloh Hufeisen verpasst ha­ben. Bis heute gibt es das Sprichwort: „Wer reist schon mit einem Samowar nach Tula.“

Samoware gibt es in vielen Formen und Größen. Sie stehen im Mittelpunkt der russischen Teekultur.

Tee aus Russland

Die Russen hatten großen Teedurst. Deshalb züchteten sie ertragreiche und widerstandsfä­hi­ge Teesorten, die seit 1884 an den Südhängen des Kaukasus in Grusinien (das ist der alte Name für Georgien) angebaut werden und die auch strengeren Frost ver­tragen. So wurde der Tee zum Volksgetränk, ganz besonders in Moskau, dem Teeumschlagplatz in Russland.

Feiertags brachen ganze Familien auf in die Vororte. Die Frauen trugen den Samowar, die Männer die Kohlen, die Kinder die Tassen und Speisen. Irgendwo auf einer Wiese, im Schatten einer Birke, breiteten sie ihre Habseligkeiten aus, besorgten sich Wasser, heizten den Samowar an und warteten auf Besucher. Jeder Samowarbesitzer wollte Gäste anlocken, die er dann mit Tee, Zucker und Ge­schichten bewirtete, um damit hin und wieder ein paar Kopeken zu verdienen.

Der Elektro-Samowar

Heutzutage verwendet man meistens einen Elektro-Samowar. Es gibt sie in zwei Varianten: Die einen haben im Wasserbehälter eine Heizschlinge, die in etwa so aussieht, wie ein Tauchsieder. Wichtig ist, dass diese Heizschlinge immer von Wasser bedeckt sein muss, weil sie sonst durchbrennt.

Ich verwende die zweite Variante und zwar einen modernen Samowar der deutschen Firma Beem. Dieser Samowar entspricht der EU-Produktsicherheitsverordnung und hat das europäische EC-Prüfkennzeichen. Der Samowar hat unten eine Heizplatte und schaltet sich von selbst ab, wenn man nicht merkt, dass das Wasser verbraucht ist. Außerdem kann man die Wassertemperatur voreinstellen.

Durch den aufsteigenden Dampf kann man erkennen, dass das Wasser heiß und trinkfertig ist. Auch der Elektro-Samowar summt. 

Märchen aus dem Samowar - auch bei Dir?

Ich bringe meinen Samowar mit und erzähle Dir und Deinen Gästen bei einer Tasse Tee oder zwei oder drei… Märchen aus Russland, der Ukraine und von überall dort, wo man gerne Samowartee trinkt.

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Tee nach russischer Art

Gehörst Du zu den ganz Vorsichtigen, die ausprobieren wollen, ob ihnen Tee nach russischer Art überhaupt schmeckt?

Dann brühe dir einfach einen schwarzen Tee auf und trinke ihn mit Zucker oder Zitrone, aber auch mit Warenje, nämlich Marmelade. In Russland sehr beliebt ist Himbeermarmelade. Jede andere Marmeladensorte passt auch zum Tee. Ich empfehle Marmelade aus Schwarzen Johannisbeeren!

Ich wünsche Dir viel Spaß beim Ausprobieren und Genießen!