
Einleitung
In diesem Monat gab es für mich ein großes Thema, den Märchenkongress, ausgerichtet von der Europäischen und der Schweizerischen Märchengesellschaft und vom Verband der Erzählerinnen und Erzähler Ende Juni in Bad Kreuznach. Dagegen verblasste alles andere.
Der Märchenkongress in Bad Kreuznach
Dieser Kongress wurde schon im September 2023 beim Kongress der EMG in Würzburg angekündigt. Ich war sehr gespannt darauf und wollte unbedingt dabei sein.
Die Europäische Märchengesellschaft, die Schweizerische Märchengesellschaft und der Verband der Erzählerinnen und Erzähler haben gemeinsam einen Kongress veranstaltet. Das ist ein gutes Signal in einer Welt, die aufs Spalten setzt und seien es Haarspaltereien. Jeder Verein hat eigene Schwerpunkte, oder sogar heilige Kühe, wer weiß?
Die Teilnehmenden aus allen drei Verbänden haben beschlossen, über den Tellerrand zu schauen, anstelle weiter im eigenen Saft zu kochen.
Der VEE hatte sich damals in Abgrenzung zur EMG gegründet und ich merkte auch deutlich die Unterschiede zwischen beiden Verbänden. Da ist vor allem der Altersunteschied. Das Durchschnittsalter in der EMG dürfte deutlich höher liegen als im VEE. Außerdem ist der VEE ein Berufsverband für Erzählende, während die EMG eine Heimat für alle Menschen sein will, die sich für Märchen interessieren, ob sie nun Forschende, Erzählende oder Liebhaber*innen sind.
Bad Kreuznach besteht aus vielen Ortsteilen, die durch ein Busnetz miteinander verknüpft sind. Das Thema des Kongresses war „erzählen – zuhören – verbinden“. Schon allein deshalb fanden in allen Ortsteilen Veranstaltungen statt. Sehr praktisch war, dass ich zusammen mit meiner Kollegin Heike Appold im „Hotel Krone“ in Bad Münster am Stein wohnte, denn in Bad Münster am Stein fand nicht nur die Abschlussgala, sondern auch das Nachterzählen in fußläufiger Entfernung statt.
Von der MÄRCHENERZÄHLEREI waren noch Reingard Fuchs und Heide Werner beim Kongress dabei, die gemeinsam in einem anderen Hotel wohnten. Schon am ersten Tag bekam Reingard einen Hitzschlag und musste deshalb sogar ins Krankenhaus. Heide teilte ihre Zeit zwischen dem Kongress und Reingard auf.
Chnutz vom Hopfen, ortsansässiges Mitglied des VEE, betätigte sich bei dem Kongress als Veranstalter und Organisator, Schofför für Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind (so wie ich), sowie als Fährmann und Geschichtenerzähler. Ohne ihn hätte ich an den Veranstaltungen in der Schule nicht teilnehmen können. Das hat er so toll gemacht!!!
Die ganzen Tage war es heiß, heiß, heiß! Das war sehr anstrengend für mich und auch für Heike. Wir haben uns Pausen gegönnt und nicht auf Teufel komm raus das ganze Programm mitgemacht.
Das Nachterzählen am anderen Ufer war eine Erlösung von der Hitze! Ich war zweimal dabei, einmal am ersten und einmal am letzten Abend nach dem Galaabend im Kurpark.
Das Nachterzählen war am anderen Ufer der Nahe. Chnutz brachte uns mit einer Fähre ans andere Ufer. Das war ein märchenhaftes Gleiten über den Fluss. Dann saßen wir im Kreis zusammen und alle, die wollten, konnten ein Märchen erzählen.
Ich habe leider nicht erzählt, denn am ersten Abend war ich zu müde von der Fahrt und am letzten Abend erzählten alle Gruselgeschichten. Da habe ich ganz wenig auf Lager, die ich einfach so erzählen könnte, schade!

Am anderen Ufer wurde erzählt
Wir haben unsere Autos auf dem Hotelparkplatz stehen gelassen und sind mit dem Bus zu den Veranstaltungen nach Bad Kreuznach gefahren. Das hat an allen Tagen gut funktioniert. Nur am Sonntag mussten wir ein Taxi nehmen.
Die meisten Vorträge fanden im Kurhaus statt, während die Arbeitsgemeinschaften in einer Schule statt fanden. Ich hatte Glück und konnte einmal mit Hannelore und Horst Spengler fahren und das andere Mal mit Chnutz.
Wenn der Hirnforscher bestätigt, dass Märchen für alle Leute wichtig sind und dass man messen kann, was beim Erzählen im Körper geschieht; wenn erzählt wird, wie ich mir mit KI einen Chat-Bot bauen kann, der mir sagt, warum Märchen altmodisch, eskapistisch und sozialromantisch sind, (es gibt Leute, die das sagen!), so dass ich ihnen als Erzählerin antworten kann und bei jeder sich bietenden Gelegenheit viele, schöne Märchen und Sagen erzählt werden, dann ist Märchenkongress!
Das Puzzle, das wir alle zusammen gestaltet haben, hat mir sehr gut gefallen. Jeder musste ein Puzzlestück ziehen, einen anderen Menschen mit dem gleichen Symbol auf der Rückseite finden und sich mit diesem über das Kongressthema unterhalten. Ich fand eine junge Frau, die ich ohne Puzzlestück nicht angesprochen hätte. Sie erzählte mir von der Vielfalt der brasilianischen Märchenwelt. Dann bemalten wir unsere beiden Puzzlestücke und setzten sie an das Puzzle an.
Dann waren da diese schönen, zufälligen Treffen und den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen im Hotel, wo wir alle an mehreren Tischen zusammen saßen oder im Café!
Ich war endgültig in dieser Parallelwelt angekommen, als mir, als ich im Gasthaus über eine steile, dunkle Treppe auf die Toilette im Keller ging, der Anfang einer Geschichte einfiel: „In einer dunklen Höhle, tief unter dem Berg, lebte einst ein alter Drache…“
Aus dieser Parallelwelt wieder aufzutauchen war gar nicht so leicht.
Heike und ich fuhren erst am Montag nach dem Kongress wieder ab und nützen den Sonntagnachmittag zum Ausruhen und fanden Abkühlung neben der Salinenanlage, von der hin und wieder ein kühles Lüftchen herübergeweht kam.

Salinenanlage von unten
Ich habe die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und bin auf der Heimfahrt nach Worms gefahren, um Götz Uwe Kress zu besuchen, obwohl die Fahrt Worms noch ein kleiner Schnörpsel in die meinem Zuhause entgegen gesetzte Richtung ist. Für gewöhnlich treffe ich Uwe von Montag bis Freitag am Morgen um 8:00 Uhr online im Breakfeast-Club.
Nun haben wir uns zum zweiten Mal persönlich getroffen und wir haben uns so gut unterhalten, wie immer. Uwe servierte mir einen leckeren Imbiss von dem mir vor allem das selbst gebackene Brot, die selbst gemachte Chilimarmelade und 30 Jahre alte Gouda im Gedächtnis geblieben sind. Zum Schluss hat er mich noch auf ein Eis eingeladen.

Journaling mit Laya Commenda
Ich kenne das Journalen schon von Julia Camerons Klassiker „Der Weg des Künstlers“ als Methode. Außerdem mache ich das sowieso, wenn ich meine Gedanken ordnen will. Laya Commenda hatte für 19 Euro eine Probemitgliedschaft angeboten, zusammen mit einer Challenge zum Thema „Fülle“. Ich hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, Mitglied zu werden. Das war also eine wirklich gute Gelegenheit, die ganze Sache auszuprobieren. Die große Frage war: „Wird sich mein Leben durch das regelmäßige Journalen ändern? Gewinne ich lebensverändernde Erkenntnisse durch die Mitgliedschaft?“
Ich habe mich gegen die Mitgliedschaft entschieden, weil ich schon einen Onlinekurs mache, den Quality Trainer in der Workshop Academy von Daniela Reuter und damit gut beschäftigt bin. Es ist mir sehr schwer gefallen, regelmäßig die Schreibimpulse zu bearbeiten. Die großen, lebensverändernden Erkenntnisse sind ausgeblieben, dennoch waren die meisten Fragen wirklich gut.
Darauf freue ich mich im Monat Juli
Auf das Märchen „Der Türke, der Italiener und der Armenier“, das uns Britta Osagahara bei der Veranstaltung „Sagen und Märchen zum Gespräch – online“ erzählen wird.
Wunderbar, dass es Dich und Deine Arbeit gibt. Märchenerzählen versus digitaler Overload. Mach weiter so!
Liebe Bettina, danke, dass du Frauenmärchen lebendig erhältst und weitergibst! Als ich jünger war, habe ich eine Zeitlang auch solche…
Das gefällt mir; ein sehr fundierter Artikel, er erklärt gut wozu (d)ein Märchentisch gut ist und was die Gegenstände bedeuten.…
Super Schön geschrieben Danke zorica Märchenerzählerin
Märchentisch kannte ich noch gar nicht. Die Idee ist so simpel und wunderschön. Pannesamt kostet ja nicht die Welt und…
Hab gerade deinen Artikel gelesen. Ich kenne dich ja auch schon ziemlich lange. Hab gerade ein wenig Pipi in den…
Laut Wikipedia ist der Gruß "Mahlzeit!" die seit dem 19. Jhd. gebräuchliche Abkürzung von "Gesegnete Mahlzeit!". "Mahlzeit!" findet sich schon…