Der Samowar ist eine Maschine, die das Wasser für den Tee erwärmt und heiß hält und die 1730 in Russland erfunden wurde. Es gibt Samoware in allen Größen, aber fast alle sind entweder kugelförmig oder sehen aus wie ein Pokal. Wer den Samowar erfunden hat, wie er funktioniert und warum er für mich als Teetrinkerin und Märchenerzählerin so praktisch ist, erzähle ich dir in diesem Artikel.
Die Kurzversion: Ein Samowar ist nicht nur ein nützliches Gerät, das das Teewasser erwärmt und heiß hält, sondern auch ein wichtiger Bestandteil der russischen Teekultur. Ich erzähle Märchen aus Russland und Osteuropa, biete dazu Tee aus dem Samowar an.
Was ist ein Samowar?
Ein Samowar ist ein Selbstkocher. In Russland benützt man kyrillische Buchstaben. Deshalb habe ich hier beide Schreibweisen benutzt. Das Wort setzt sich zusammen aus den Wörtern само (samo, auf deutsch ‚selbst‘ und вар (war), auf deutsch ‚kocht‘. Das Gerät kocht also selbst. Der Samowar ist ein schlichtes Gerät. Er besteht aus einem beheizbaren Wasserbehälter mit Zugloch und einem Ablaufhahn sowie einer Teekanne für den Teesud. Die Zuglöcher im Deckel des Wasserbehälters haben zwei Funktionen: der aufsteigende Dampf entweicht und wärmt den Teesud in der Kanne.
Samowar-Fotografie von Panpanchik – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, gefunden bei Wikimedia
Wer hat den Samowar erfunden und warum?
Der Samowar ist ein weiter entwickelter Sbitennik, den die Metallarbeiter der Werke Demidow in dem Städtchen Suksun im Ural 1730 im Auftrag der Teehändler erfunden haben. Aber weshalb?
Der Tee kam ursprünglich von China nach Russland – bis nach Moskau, dem Hauptumschlagplatz für Tee in Russland. Diese Reisen waren ungeheuer lang. Die Händler zogen durch Wüsten, Steppen, Sümpfe und Gebirge, über den Ural hinweg. Oft waren sie länger als ein Jahr unterwegs.
Natürlich wollten sie unterwegs Tee trinken. Frischen Tee. Keine lauwarme Brühe.
Damals wurde in Russland heißer „Sbiten“ getrunken. Das ist ein Getränk aus Honig und Gewürzen — süß, würzig und wärmend. Man könnte es vielleicht ein wenig mit Lebkuchengewürzen vergleichen. Besonders auf Jahrmärkten oder an Wallfahrtsorten in Russland wurde es verkauft. Das Getränk wurde in dem „Sbitennik“ warm gehalten.
Der Sbitennik sah einem Samowar schon erstaunlich ähnlich: ein Gefäß mit einem inneren Heizrohr für Holz oder Holzkohle.
Das Besondere am Samowar ist: Wasser und Teekonzentrat sind voneinander getrennt. Dadurch kann jede und jeder selbst entscheiden, wie stark der Tee werden soll — hell und duftig oder kräftig und dunkel. Ich finde diesen Gedanken wunderschön. Als würde der Samowar sagen: Mach dir den Tee, der heute zu dir passt. Du kannst bei jeder Tasse neu entscheiden.
Ist es nicht faszinierend?
Der Tee wird in einem Gerät für alle gemeinsam zubereitet und doch kann jede und jeder den Tee so trinken, wie er ihm oder ihr schmeckt und so können wir Gemeinschaft und Individualität gleichermaßen erleben.
Die schönsten Samoware werden noch heute in Tula produziert, das nur knapp 200 km von Moskau entfernt ist. In Tula wird Eisenerz gefördert und es hat eine lange Tradition in Metallverarbeitung. Tula gilt noch heute als die „Stadt der Samoware“ und deshalb heißt es auch:
Wer reist schon mit einem Samowar nach Tula?
Was für Samoware gibt es?
Der Samowar ist ein einfach konstruiertes Gerät aus Kupfer, Messing oder Edelstahl und genau das macht ihn so haltbar und robust sowie zu einem praktischen Gefährten im Alltag. Es gibt ihn in ganz unterschiedlichen Ausführungen: schlicht oder kunstvoll verziert, als Holzkohle- oder Elektrosamowar.
Bis heute werden Samoware produziert, die mit Holzkohle beheizt und (zumindestens in Deutschland) im Freien verwendet werden und natürlich Elektro-Samoware. Bei beiden muss man darauf achten, dass der Wasserstand nie niedriger wird als die glühende Holzkohle oder die Heizschlingen.
Es gibt kunstvoll verzierte Stücke, einfache Gebrauchssamoware wie den Küchensamowar, in dem in drei verschiedenen Behältern Suppe, Grütze oder Tee warm gehalten werden konnte, riesige Samoware für Feste, kleine Reisesamoware und sogar Samoware in Zügen, die Heißwasserboilern gleichen. Natürlich gibt es auch wunderschöne Zier- und Schmucksamoware, die beinahe so aussehen, wie kleine Architekturkunstwerke. Sie spiegelten auch immer den Zeitgeist wieder. Selbstverständlich gab es auch einen Sputnik-Samowar!
Mein Holzkohle-Samowar von außen und von innen
Innenansicht eines Elektro-Samowars aus der UdSSR
Weshalb ist Samowartee so lecker?
Das ist das Geheimnis des Samowartees. Liegt es an der Teesorte, der langen Ziehzeit, der Möglichkeit, den Teesud mit dem heißen Wasser so zu mischen, wie man es gerade braucht, dem Summen des Samowars oder an den süßen oder herzhaften Leckereien, die zu einer russischen Teetafel gehören?
Der Tee bleibt in der Kanne und zieht so lange der Samowar in Betrieb ist. Dadurch wird viel Tannin freigesetzt, das die Aufnahme von Teein hemmt. Dadurch wirkt der Tee zwar erfrischend, aber eher beruhigend.
Wie das Sprichwort sagt:
Der Tee weckt den Geist, öffnet die Seele, vertreibt die Müdigkeit, fördert das Denken und lässt keinen Platz für Trägheit.
Lecker wird der Samowartee nicht nur durch die Teesorten, sondern auch durch die Art, wie man ihn trinkt: mit Kandiszucker, Zitronensaft, Milch, Sahne oder Warenje.
Zu einer richtigen russischen Teetafel gehört natürlich auch Gebäck: Moskauer oder Salzige Kringel, die auf eine Schnur gezogen und an den Samowar gehängt werden. Babas, Kuchen, die mit verschiedenen Siruparten getränkt werden mit einer Fülle aus rohen oder gekochten Früchten, Russisches Früchtebrot, Plätzchen, Quarkplinsen oder Lebkuchen, Piroggen gefüllt mit Mohn, Warenje oder Dörrobst… oder fruchtige Schlemmereien mit Äpfeln und Backpflaumen.
Wie kam der Samowar in mein Leben?
Als erstes habe ich einen Holzkohle-Samowar bei einer ehemaligen Freundin gesehen, aber es dauerte etwa 20 Jahre, bis ich selbst stolze Besitzerin eines Elektro-Samowars wurde.
Meine Freundin hatte Mitte der 80er Jahre von ihrem Freund einen Holzkohle-Samowar geschenkt bekommen. Heutzutage werden Holzkohle-Samoware in Deutschland meistens nur im Freien verwendet, aber wir haben damals unsere Wohnungen mit Kohle geheizt und deshalb war uns das Heizen mit Holz oder Kohle im Innenraum vertraut und der Rauch aus dem Samowar hat uns nicht gestört.
Als ich ihn sah, dachte ich sofort: Oh, ist der schön. So einen möchte ich auch haben.
Damals begegneten mir Samoware nur hin und wieder irgendwo auf Bildern oder Flohmärkten. Aber jedes Mal blieb mein Blick daran hängen. Diese Mischung aus leckerem, heißen Tee und Kulturgeschichte hat mich sofort fasziniert.
2001 entdeckte ich in einem Antiquitätengeschäft einen alten Holzkohle-Samowar. Natürlich musste ich ihn kaufen. Leider stellte sich später heraus, dass er beschädigt war. Innen hatte sich Grünspan gebildet. Offenbar hatte jemand ein Loch hineingemacht, um ihn als unbenutzbar zu kennzeichnen. Das wussten meine Freundin und ich allerdings nicht.
Also haben wir das Loch sorgfältig zugelötet und voller Vorfreude ausprobiert, Tee darin zu machen. Bis wir merkten: Das geht gar nicht. Der Grünspan machte den Tee bitter (außerdem ist er giftig) und den Samowar unbrauchbar.
So zog schließlich ein Elektro-Samowar bei uns ein.
Und seitdem trinke ich Samowar-Tee – und liebe ihn sehr. Vielleicht gerade deshalb, weil er etwas Gemütliches und gleichzeitig etwas wunderbar Praktisches hat, denn ich trinke tagsüber gerne viele Tassen Tee. Genauso wie die Teehändler im alten Russland trinke ich den Tee lieber frisch aus dem Samowar als abgestanden aus der Thermoskanne oder endlos auf dem Stövchen gewärmt. Tee aus dem Samowar ist nie einfach nur Tee. Er ist eher wie eine Tür in eine andere Welt.
Wo kannst du mehr über Samoware und die russische Teekultur erfahren?
Ich besitze ein wunderschön aufgemachtes und bebildertes Buch über Samoware von Dagmar Schäfer: „Russland lädt zum Tee“, dessen Erstauflage 2003 erschienen ist und das man noch heute antiquarisch kaufen kann. In diesem Buch erzählt die Autorin viele Geschichten rund um den Tee, den Samowar und die russische Teekultur. Viele der abgebildeten Samoware gehören dem deutschen Samowar-Sammler Anton Groß, der die Autorin auch fachlich beraten hat. Wenn man einmal beginnt, sich damit zu beschäftigen, öffnet sich plötzlich eine ganze Welt.
Was hat Wladimir Putin mit Samowaren zu tun?
Der Samowar ist mehr als ein praktisches Gerät. Er ist ein wichtiger Teil der russischen Kultur, die auch Anton Groß so sehr schätzte. Er gehörte dem Verein Deutsch-Russische-Freundschaft an, der 2007 am Russischen Nationalfeiertag in die Russische Botschaft eingeladen war. Anton Groß nahm ein Exemplar seines Buches mit, das er Wladimir Putin schenkte. Außerdem lud er ihn zum Teetrinken nach Leipzig in sein Samowarmuseum ein. Wladimir Putin kam nicht zum Teetrinken, aber er schenkte Anton Groß einen Samowar und schickte ihm einen Brief.
Der Samowar war kostbar und vergoldet – hergestellt vom Hoflieferanten seiner Exzellenz des Schahs von Persien, sehr kostbar, glänzend und voller Symbolkraft. Doch noch wichtiger als der Samowar selbst war für ihn der beiliegende Brief Wladimir Putins.
Denn darin ging es nicht nur um ein Geschenk, sondern um etwas, das Anton Groß bis heute bewegt: die Verbindung zwischen Russland und Deutschland, zwischen Menschen, Geschichten und Erinnerungen. Für ihn wurde dieser Samowar damit mehr als ein Sammlerstück. Er wurde zu einem Zeichen dafür, dass selbst über weite Entfernungen hinweg manchmal Begegnungen entstehen können.
Diese Anekdote wurde im Dezember 2008 auf der Webseite von Grün-As, dem Online-Stadtmagazin von Leipzig-Grünau und Umgebung, erzählt. Heute löst diese Geschichte eher zwiespältige Gefühle aus. Damals glaubten viele Menschen in Deutschland noch an „Wandel durch Handel“ und sahen in Putin einen verlässlichen Partner. Heute wissen wir, wie trügerisch diese Hoffnung war. Und trotzdem erzählt die Anekdote etwas über die kulturelle Bedeutung des Samowars in Russland – und darüber, wie sehr Menschen manchmal versuchen, durch Tee, Geschichten und Sammelleidenschaft Brücken zwischen Welten zu bauen.
Vielleicht sind Sammlerinnen und Sammler schillernden Figuren. Menschen, die Dinge nicht einfach besitzen wollen, sondern mit ihnen auch Erinnerungen, Sehnsüchte und Geschichten bewahren. Da muss ich unwillkürlich an die große Märchensammlerin Elsa Sophia von Kamphoevener denken, die manche Märchen gesammelt viele aber erfunden hat.
Wofür brauche ich als Märchenerzählerin einen Samowar?
Märchen können ein Ruhepol im Alltag sein, eine Möglichkeit das Leben zu verlangsamen und bewusst zu genießen. Daraus mache ich gerne ein kleines Fest mit Samowartee, Warenje und russischem Teegebäck.
Am besten passt der Samowar zu Märchen aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion oder Osteuropa. Aber auch in der Türkei wird Samowartee getrunken. Da heißt der Samowar dann Semaver.
Ich spreche über die russische Teekultur – und die Menschen bekommen selbst Samowartee ausgeschenkt, probieren Warenje und Suschki. Das ist immer ein besonderer Moment. Denn plötzlich sitzt man nicht mehr einfach in einem Raum – es ist als ob der Samowar selbst die Geschichten erzählen würde.
In dem wunderbaren Märchen „Das besprochene Wasser“, das von einem Mann und einer Frau handelt, die ständig miteinander streiten, obwohl sie sich sehr lieben, kam in meiner Version gar kein Samowar vor. Aber dann fand ich eine andere Variante desselben Märchens – und dort gab es einen. Also zog der Samowar auch bei mir in die Geschichte ein.
Ich verwende einen modernen Samowar der deutschen Firma Beem. Dieser Samowar entspricht der EU-Produktsicherheitsverordnung und hat das europäische EC-Prüfkennzeichen. Der Samowar hat unten eine Heizplatte und schaltet sich von selbst ab, wenn man nicht merkt, dass das Wasser verbraucht ist. Außerdem kann man die Wassertemperatur voreinstellen.
Durch den aufsteigenden Dampf kann man erkennen, dass das Wasser heiß und trinkfertig ist. Auch der Elektro-Samowar summt.
So kann auch ich es mir gemütlich machen,Tee ausschenken, selbst Tee trinken und Märchen erzählen, ohne auf den Wasserstand des heißen Wassers im Samowar achten zu müssen.
Willst Du mit mir Samowartee trinken und in die einzigartige russische Märchenwelt eintauchen?
Rufe mich an oder schreibe mir eine E-Mail.
Telefon 0 9192 99 40 86
E-Mail: info@wilde-schwaene.de.

„Du bist, was du erzählst!“ Das ist meine Philosophie. Dazu gehören die Märchen und Geschichten, die du als Kind gehört und geliebt hast. Das sind auch die Geschichten über dich selbst, die Welt und das Leben. Mit meinen Märchen, Workshops und Blogartikeln will ich Frauen ermutigen, sich selbst zu ermächtigen und einen kritischen Blick auf die Narrative unserer Gesellschaft zu entwickeln. Wenn ich nicht gerade blogge oder Märchen erzähle, sitze ich mit einem Buch und meinen Katzen auf dem Sofa.
Was für eine gute Idee! Das ist der nächste Schritt und so bietet auch das papierlose Büro märchenhafte Abenteuer...
Genau, das ist der Plan!
Wow tolle Idee 🤩👍 Klingt total spannend. Damit wird bestimmt selbst der langweiligste Bürojob zum Abenteuer.
Was für eine interessante Methode. Gibt es für den virtuellen Schreibtisch auch sowas? Als ITlerin habe ich keinen vollen analogen…
Richtig geraten! Dieses Märchenbild hat viele Leute zum Raten angeregt, aber nur drei Leute haben das Märchen erraten. Es war…
Es ist natürlich das Märchen: "Die drei Männlein im Walde" - ein sehr zauberhaftes Märchen. Liebe Grüße
Genauso ist es!