„Der Weg entsteht beim Gehen.“ 

Eine schöne Illustrierung des Spruchs von Antonio Machado ist das georgische Märchen vom Tschongurispieler.

Um die Tochter des Khans zur Frau zu gewinnen, muss der Tschongurispieler den Apfel der Unsterblichkeit holen. Der Baum wächst in einem Garten, der von einer hohen Mauer ohne Tor umgeben ist und obendrein von einem Drachen bewacht wird.

Der Tschongurispieler nimmt seinen Tschonguri und macht sich auf den Weg. Er findet den Garten, aber kein Tor. Er fängt an zu singen, auf seinem Tschonguri zu spielen und läuft um den Garten herum.

Sein Lied berührt alle Wesen: die Bäume, die Blumen, die Vögel, sogar die steinerne Mauer. Die Mauer öffnet sich und ein blumenbewachsener Weg wird sichtbar, der den Spieler Schritt für Schritt bis zum Apfelbaum führt. Auch der Drache hat den Spieler singen gehört, wälzt sich dem Tschongurispieler voller Zorn entgegen – aber auch das Herz des Drachen wird von Musik und Gesang so tief berührt, dass er zu weinen beginnt und dem Spieler den Apfel der Unsterblichkeit schenkt. Voller Freude nimmt dieser den Apfel mit nach Hause und bekommt die Tochter des Khans zur Frau.

Mir ist es schon oft so gegangen: Ich habe mich voller Freude auf den Weg gemacht, alle Hindernisse überwunden und dann, kurz vorm Ziel, stellte sich mir ein Drache in den Weg!

Ich meine nicht das Tier aus Märchen und Mythen, sondern ein Gefühl, oft war es Angst, die mich innehalten ließ und die noch einmal alles in Frage stellte. Erst wenn ich meinem persönlichen begegnet war, ihn besänftigt oder besiegt hatte, bin ich am Ziel meiner Wünsche angelangt.

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